Samstag, 23. Mai 2015

{Rezept} Wiener Taschen nach Oma Schulz

 
Es gibt diese Gerichte aus der Kindheit, die irgendwie das emotionale Gedächtnis ansprechen. Geschmäcker und Gerüche sind so intensive Sinneswahrnehmungen, dass man mit nur einem Bissen oder einem Schnuppern wieder ganz nah mit einer Situation verbunden ist.

Meiner Mama geht es so mit dem Geruch von Erdbeeren - als ihr Vater und mein Opa nach seinem Schlaganfall in der letzten Woche seines Lebens Morphium bekam, hing dank der Medikamente der Geruch von Erdbeeren in der Luft.

Mir geht es so mit Omas Kartoffelsalat, den mein Geschwisterkind mittlerweile so perfekt nachbauen kann, dass mir beim Essen teils die Augen vor Tränen schwimmen - emotionales Gedächtnis und so..

Ganz ähnlich geht es mir auch mit den Wiener Taschen, die es bei Oma rund ums Jahr gab. Ich bedauere, dass ich nie bei der Herstellung geholfen habe - das hat mir beim Nachbacken so manchen Fluch entlockt. Geschmacklich kommen diese Wiener Taschen aber der Nascherei meiner Kindheit wirklich verblüffend nah und schmecken auch Herrn Fuchs so fabelhaft, dass ich nun schon zweimal die doppelte Menge backen musste ;)

Man nehme...
500g Mehl
1 Pckch. Backpulver
350g Margarine
ca. 150g Puderzucker (oder mehr, nach Bedarf)
(zur Bindung: 2 TL Sojamehl, vermischt mit 4 TL Wasser)
Prise Zimt
1 Glas rote Marmelade

Zunächst den Teig herstellen. Dazu werden Mehl, Margarine, Backpulver, Zimt und Puderzucker miteinander zu einem Mürbeteig verknetet. Das gelingt am besten mit kühlschrankkalter Margarine, die in ca. würfelzuckergroße Würfel geschnitten wird.
Ich habe beide Varianten (einmal mit, einmal ohne Sojamehl) ausprobiert und mir sind beide Rezepte gelungen. Wer Sorge hat, dass der Teig nicht hält, sollte daher mit etwas Sojamehl zur besseren Bindung nachhelfen - eigentlich funktioniert der Teig aber auch so, dann muss eventuell etwas Wasser zugefügt werden, damit sich die Masse gut verbindet.
Egal, welchen Weg man geht - er endet immer im Kühlschrank! Dort parkt der Teig nämlich - gut in Folie verpackt - für 30 bis max. 40 Minuten. Dann ganz klassisch eine Arbeitsfläche mit Mehl bestäuben und den Teig ausrollen - nicht zu dünn und nicht zu dick, sodass der Teig sich später noch falten lässt. In ca. 10cm x 10cm große Quadrate schneiden und in der Mitte jeweils mit 1 guten TL Marmelade bestücken. Zusammenklappen, sodass Dreicke entstehen, und an den Rändern gut festdrücken, sodass nirgends Marmelade herausquellen kann.
Jeweils max. sechs Taschen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen und bei 160°C Umluft ca. 15 - 20 min. backen.



Dauer: 15 min. Teig zusammenkneten + 40 min. Teigruhe + nach und nach viele Wiener Taschen backen = ca. 2h in der Küche

Ergibt ca. 20 Wiener Taschen




Mittwoch, 13. Mai 2015

{Aller guten Dinge sind 3} Pastasaucen


Aktuell ist die Zeit der großen Taten in meinem Leben: Nachdem ich vergangene Woche endlich meine Masterarbeit abgegeben habe, lief ich am Muttertag meinen ersten Halbmarathon! Ich lief durch, ohne einmal zu gehen, und kam mit einer Zeit von 02:11:55 an. Mein Ziel, unter 02:15 zu laufen, habe ich also gleich im ersten Anlauf geschafft und habe mich nun entschlossen, auf einen Marathon im Oktober zu trainieren.

In der Vorbereitungszeit und vor allem nach meinen langen Läufen gab es daher häufig kohlenhydratreiche Kost - und was eignet sich da besser als Nudeln mit Sauce?!

Mein Thema ist diesmal also alles rund ums Thema Pastasaucen und ich habe auch gleich meine absoluten Favoriten herausgesucht:

1. Immer, wenn ich nicht weiß, was ich essen soll, brate ich einfach etwas Gemüse an, lösche es mit Kokosmilch ab und esse dazu Nudeln. Das Gericht wird dank frischem Thymian herrlich würzig und schmeckt auch nach dem Joggen ganz hervorragend.



 2. Weiter geht es mit einer Variante der Spaghetti Bolognese, die dem Fuchsmann und mir gleichermaßen schmeckt: dank Sellerie, Karotten und Rotwein hat sie den typischen Bolognese-Geschmack, kommt aber natürlich ohne Fleisch und dafür mit Sojaschnetzeln daher.



3. Die letzte Pastavariation gibt es derzeit nicht so oft, da sie dank der doch eher schweren Sauce nicht so gut in die warme Jahreszeit passt. Dennoch ist sie ein absoluter Seelentröster und an Regentagen gibt es eigentlich nichts besseres als eine große Portion Nudeln mit Carbonara.





Sehr genial ist auch die cremige Avocadopasta von oh she glows.

Für Spülfaule und Schnellkocher eignet sich vielleicht eine der zahlreichen One Pot Pasta-Varianten - bspw. die von yup, it's vegan! als One Pot Pasta alla Puttanesca.

Zwei meiner liebsten Zutaten zu Pasta kombiniert Arne in den Veg[etaria]n Diaries in seiner Pasta mit Artischocken und Champignons.


Da ich absolut nicht genug bekomme und vor allem gespannt auf neue, leichte Saucenideen bin, die sich auch im Sommer gut als Begleiter zu Pasta eignen, freue ich mich über eure liebsten Saucen!

Dienstag, 5. Mai 2015

Vegan Wednesday #140: hier wird gesammelt!


Hallo zusammen,

endlich sammle ich mal wieder die bunten Vegan-Wednesday-Beiträge.
Der erste VW im Mai 2015 ist zugleich auch der erste Mittwoch seit einer halben Ewigkeit, an dem meine Masterarbeit nicht wie ein Damoklesschwert über mir schwebt - ich habe sie am Montag abgegeben!

Ganz entspannt darf ich also um die Dokumentation eurer Köstlichkeiten bitten - und bin vor allem auf Spargel- und Rhabarberrezepte gespannt ;)

 Die Regeln



Wie kann ich mitmachen?
Jede Woche wird auf dem Blog eines Vegan Wednesday Teams ein Sammelbeitrag veröffentlicht, in den Kommentaren könnt ihr bis Samstag Abend euren Beitrag verlinken. Je zwei Bilder pro Beitrag werden ausgewählt und gepinnt. Das Board könnt ihr dann im Laufe des Sonntags bei Pinterest bewundern.
Wer aktuell sammelt erfahrt ihr jeden Dienstag auf unserer Facebook-Seite.

Was sollte mein Post beinhalten?
Wir möchten euer veganes Alltagsessen der vergangenen Woche sehen! Ansonsten ist alles erlaubt: Themenposts, Rezepte, Tagesabläufe,... eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, aber: vegan muss es sein!

Wer mehr erfahren möchte, schaut hier vorbei oder besucht unsere facebook-Seite.


Donnerstag, 30. April 2015

{Geburtstag} TomTom

Es gibt Tage, an denen werden große Persönlichkeiten geboren.
Der 27. April 2009 war einer dieser Tage.
Irgendwo in einer nordspanischen Stadt lag eine schwarze Schönheit in den Wehen. Der werdende Vater, rothaarig und von kräftigem Bau, strich nervös um sie herum, kaum fähig, ihr Jammern zu ertragen. - Doch bald schon war es geschafft und die schwarze Siamkatze schnurrte zufrieden, als sie ihre Katzenwelpen betrachtete.

Das Glück währte jedoch nur kurz:
Eines Tages kamen Menschen, die die Katzenkolonie, in der die dunkle Samtpfote mit ihrer kleinen Familie lebte, nicht mehr wollten. Und so kam es, dass knapp vier Wochen nach der Geburt die Katzenmutter mitsamt ihrer Welpen eingefangen wurde. Der rot-weiße Kater, ungewöhnlich stattlich gebaut, wehrte sich mit Krallen und Bissen. Doch er konnte das Unglück nicht abwenden. Und da er seine Familie nicht im Stich lassen wollte, wurde auch er eingefangen.

Verängstigt aneinander gekauert saß die kleine Familie in engen Drahtkäfigen. Den großen Kater sahen sie nur noch aus der Ferne: er durfte nicht bei der schwarzen Katze und ihren Welpen sein. Der Transport dauerte nur kurz. Kaum waren sie eingeladen worden, da öffneten sich auch schon wieder die Türen und gaben den Blick auf ihre neue Heimat frei: eine Perrera.

Die Sonne brannte auf die flachen Bauten, in die die Käfige mit den Katzen geschleppt wurden. Als sich die Türen zu der Halle mit den Katzen öffnete, zuckte die Siamkatze zusammen: der Gestank war unbeschreiblich, aber schlimmer noch war das ewige Heulen der Tiere, die bereits dort lebten.

Die kleine Familie wusste nichts um die kurze Frist, die ihnen vergönnt war: nur 21 Tage hatten Menschen Zeit, Anspruch auf die Tiere zu erheben - dann wurden sie getötet. Alle. Ganz gleich ob jung, ob alt, ob schwach und krank oder kräftig und agil. Der Scharfrichter machte vor niemandem Halt.

Der kleinen Familie kam das Glück zur Hilfe: eine Tierschutzorganisation, die in regelmäßigen Abständen Tiere aus der Perrera in ein Tierheim brachte und von dort aus vermittelte, wurde auf die schwarze Schönheit und ihre Welpen aufmerksam. Als die Mitarbeiter hörten, dass der große, rote Kater wie ein Berserker getobt hatte, als die Mutter gefangen worden war und er vermutlich der Vater der Kitten war, nahmen sie auch ihn mit.

Die kleine Familie hatte unendliches Glück: nicht nur, dass sie der Perrera und dem dortigen Tod entkommen war, es konnten auch alle Welpen und beide Elterntiere erfolgreich vermittelt werden!

Einer der Welpen - ihr ahnt es sicher schon - kam im Juni 2009 mit gerade einmal 8 Wochen bei mir an:

Seitdem ist viel passiert.
Der kleine, schwarz-weiße Siammix wurde von Haru zu TomTom und entwickelte sich prächtig. Aus dem zarten Katerchen von einst wurde ein ebenso stattlicher Kater, wie sein Vater es sein muss: An die schlanke Siam-Mutter erinnert nur noch TomToms länglicher Kopf.
 

Ich habe ja bereits hier über die wunderbaren Eigenarten berichtet, die TomTom so besonders machen, doch einige Dinge muss ich noch sagen.

Es gibt nichts schöneres als morgens aufzuwachen und die Wärme des Katers neben sich zu spüren. Wenn TomTom kuschelt, dann rummst er seinen Kopf mit Begeisterung an die unterschiedlichsten Körperteile, um so seine Zuneigung zu zeigen.
TomTom schnurrt noch immer wie ein Traktor und entwickelt mit den Jahren possierliche Spleens: So habe ich ihn vor kurzem ertappt, wie er aus meinem Wasserglas trank. Alternativ liegt er gerne im Waschbecken und mauzt empört, wenn man ihn vertreibt.
Alles an TomTom ist toll - am liebsten habe ich es aber, wenn er abends neben mir einschläft. Und morgens neben mir aufwacht. An solchen Tagen stehe ich besonders vorsichtig auf, um ihn nicht zu wecken. Dann gebe ich ihm einen Kuss auf die Stirn, streichele ihn kurz über den Kopf, decke ihn zu und verabschiede mich von ihm.
 

TomTom ist ein Stück meiner Familie geworden. Und das macht mich sehr glücklich.

Alles Gute zum Geburtstag, lieber TomTom.



Und da TomTom damals nicht alleine zu mir kam und der dicke, rote Kater auch bald Geburtstag hat, könnt ihr euch schon auf ein paar Takte zu Mio freuen ;)

Montag, 27. April 2015

{Rezept} Feiner Rhabarber-Vanille-Kuchen mit Zimtstreuseln


 Vor gut einem Jahr postete ich das erste Rezept für Rhabarberkuchen, das ich ausprobiert hatte. Er schmeckte schon damals lecker, mangels Zutaten war er aber ein Kompromiss und wartete seitdem auf die nächste Rhabarbersaison, um in optimierter Version erneut im Ofen zu landen.

Das geschah dann auch endlich in der vergangenen Woche und obgleich ich das Rezept eigentlich bereits am Wochenende abtippen wollte, komme ich erst jetzt dazu - ich hatte einfach immer klebrige Finger von all dem köstlichen Rhabarberkuchen!

Dieser Kuchen besticht durch seine einfachen Zutaten, die jedoch so eindrucksvoll in Szene gesetzt wurden, dass sie ein kleines Gesamtkunstwerk ergeben!

Den Rührteig habe ich diesmal übrigens aus dem Backbuch Einfach vegan backen stibitzt, das derzeit nicht aus meiner Küche wegzudenken ist ;)

Man nehme...
...für den Rührteig
150 g Dinkelmehl (Typ 630)
1 EL Stärke
70 g Zucker
1 TL Backpulver
Prise Salz
60 ml Rapsöl
70 ml Pflanzendrink nach Wahl
70 ml Mineralwasser

...für das Obendrauf
500 g Rhabarber
100 g Zucker
500 g Soja-Vanille-Joghurt
1 Pckch. Vanillepuddingpulver

...für das ganz Obendrauf
100 g Margarine
70 g Zucker
50 g gemahlene Mandeln
100 g Dinkelmehl (Typ 630)
Prise Zimt

Zunächst den Rhabarber schälen und in ca. 1 cm große Stücke schneiden. In ein Sieb geben, unter das Sieb eine Schüssel stellen und auf dem Rhabarber den Zucker verteilen. Das sollte nun mindestens 1/2 Stunde ziehen - je länger, desto besser!

Für den Rührteig alle trockenen Zutaten mischen und dann nach und nach mit den flüssigen Bestandteilen verrühren. In eine gefettete Springform füllen und bei 180°C (Umluft) ca. 15 min. backen bis der Teig noch hell, aber bereits durch ist.

Derweil die Vanillecreme vorbereiten:
Dazu den abgetropften Joghurt mit dem Rhabarbersaft vermischen. Das Puddingpulver mit etwas Rhabarbersaft mischen und unter die Joghurt-Rhabarber-Mischung rühren.

Aus dem Ofen ziehen und die Vanillecreme obendrauf geben.
Nun den Rhabarber formschön auf der Creme platzieren. Darauf die Streusel platzieren (hierfür beizeiten einfach alle Streuselzutaten miteinander verkneten) und den Kuchen wieder bei 180°C im Ofen parken. Diesmal sollte er 30 - 40 min. backen, bis die Streusel goldbraun sind.

Herausnehmen und vollständig auskühlen lassen.
Am besten backt man den Kuchen abends, sodass man ihn am nächsten Tag genießen kann ;)



Dieser Kuchen schmeckt auch frischgebackenen Spartanern!


Ergibt 1 26cm große Springform voll wunderbarsten Rhabarberkuchen!

Dauer: 1/2 h Abtropfaktion + 1/4 h Teig kneten + über 1/2 h backen = mind. 1h, die sich lohnt!



Donnerstag, 23. April 2015

Vegan Wednesday #138


In dieser Woche schaffe ich es endlich mal wieder, beim Vegan Wednesday mitzumachen. Petzi sammelt noch bis Samstag unsere bunten Beiträge.

Vergangenen Mittwoch kam abends um 20:00 die Schreckensnachricht Freudennachricht: Eine Freundin hatte zwei Tickets für den Spartan Race Sprint in München gewonnen!
Also verbrachte ich den Samstag anteilig gemütlich im Auto und ungemütlich auf der Rennstrecke - einen ausführlichen Bericht mit vielen Bildern und der Erklärung, warum ich fast schulzige Tränchen verdrückte, findet sich hier.
Danke übrigens für all die lieben Worte, die mich schon als Kommentar oder auf anderen Wegen erreicht haben!


Die Versorgung vor dem Lauf fiel eigentlich gar nicht sooo üppig aus, allerdings lieferten diese Erdnussbutter-Brownies mit Seidentofu den richtigen Wumms für den Start:


Das Rezept dazu kommt die Tage - wer das neue Buch von Jérôme Eckmeier "Einfach vegan backen" schon hat, findet das Rezept dort. Die Brownies werden definitiv meine neuen Lieblinge!

Gestern  gab es dann aber auch viel leckeren Kram. Nach dem Spartan Race machte ich erstmal zwei Tage Sportpause, lief dann aber am Dienstagabend wieder 15km (immer schön den Halbmarathon am 10.05.2015 im Blick) und hatte entsprechend gestern wieder mordsmäßigen Hunger!

Nach meinem üblichen Frühstück verspeiste ich daher ein Stück Rhabarberkuchen (Rezept gibt es am Wochenende):


Jaaaa, ich gebe es zu - ich bin soooo stolz auf meinen ersten beendeten Lauf, dass ich aktuell mit Medaille und Finisher-Shirt schlafe ;)

Herr Fuchs nahm übrigens ein paar Stücke Kuchen mit auf die Arbeit und auch dort kam die Kombination aus Vanille, Rhabarber und Zimtstreuseln super an. Eine einfache Version des Kuchens habe ich letztes Jahr bereits hier gezeigt, das neue Rezept ist aber noch ein bisschen raffinierter. Wer Lust auf Rhabarber hat, sollte übrigens auch dringend die Rhabarber-Kokos-Küchlein oder die Bananen-Rhabarber-Marmelade ausprobieren - herrlich!!!

Zudem gab es gestern Bärlauch satt. Ein Freund hat mir selbstgepflückten Bärlauch mitgebracht und neben einem leckeren Bärlauchpesto diente er mir gestern als Grundlage für meinen Avocado-Tomaten-Oliven-Salat:


Ach, ich liebe so einfaches Essen ja, das ruckzuck auf dem Tisch steht und nur darauf wartet, verspeist zu werden :)

Ansonsten bin ich gerade in der letzten Phase meiner Masterarbeit angelangt (YEAAAAH!!!) und vertreibe mir die Zeit mit Gassirunden in der Sonne:


Ich wünsche euch allen Sonne im Herzen und auf der Haut!

Dienstag, 21. April 2015

{Sport} Spartan Race Sprint, München 2015



Kennt ihr auch solche Mädchen, die sich im Sportunterricht immer gedrückt haben? 
Die stets mit passender Ausrede (fehlender Sport-BH, vorhandene Periode, zukünftiger Blutsturz) aufwarteten und alles taten, um bloß nicht am Sportunterricht teilnehmen zu müssen?

Ja, ich war ein solches Mädchen. 
Ich gestehe es öffentlich: Ich habe Sport gehasst! 

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so recht, wieso. Ich war nie besonders dick oder dünn, hatte eigentlich gute Voraussetzungen um sportlich zu werden - aber irgendwie wollte ich das einfach nicht. Mich vor anderen zu bewegen war mir suspekt. Es erschien mir elementar falsch, vor anderen Menschen zu schwitzen. Und vor anderen versagen konnte ich schon gar nicht. 

Also saß ich meist am Rand, kassierte eine schlechte Note nach der anderen und die 4 in Sport zierte sogar noch mein Abizeugnis. 

Schon längst ausgezogen war ich mit Anfang 20 bei meinen Eltern zu Besuch und brach den geplanten Fahrradausflug zur 5km entfernten Eisdiele ab, weil zu viel Gegenwind war.

Sport war blöd. Ich rauchte lieber. (Warum ich das jetzt nicht mehr tue, erfahrt ihr hier)

Irgendwann änderte sich meine Haltung zum Sport (warum und wie erzähle ich vielleicht mal bei anderer Gelegenheit) und nach einigen Jahren auf dem Rad begann ich vergangenen Herbst mit joggen. Aktuell trainiere ich auf meinen ersten Halbmarathon - aber von dem soll heute nicht die Rede sein!

Die Rede ist von etwas anderem, etwas größerem - SPAAAARTAAAAA!

Ähm ja, genau. 
Ich habe mich vor ein paar Wochen für den Sparta Race Super in Köln angemeldet, der Ende Juni stattfindet. 'Großartig', dachte ich, 'in zwei Monaten kann ich locker Arme und Schultern trainieren, um den Lauf durchzustehen!' 

Tja, falsch gedacht. 
Die Freundin, mit der ich im Juni nach Köln fahren werde, rief mich nämlich vergangenen Mittwoch an: Wir hatten zwei Freikarten für den Spartan Race Sprint gewonnen! Kleiner Haken: Der Lauf war bereits am Samstag.


Verpflegung: Rohkost, Brot mit Räuchertofu, Bananen, Brownies
Hmmm, so viel also dann zur Vorbereitung. 

Wir fuhren also Samstag die rund 400km nach München (und abends auch wieder zurück) und ich lief meinen ersten richtigen Wettkampf und meinen ersten Hindernislauf überhaupt!


Wir starteten mit der Welle um 15:00 im strahlenden Sonnenschein, angeheizt von zwei heiseren Moderatoren, die vermutlich seit frühmorgens brüllten: "Wer seid ihr heute?" Und alle so: "Spartaner!" 

Ja, verdammt, wir waren Spartaner und ich auch, denn ich war mittendrin! Ich ließ mich mitreißen, rannte los, den Berg hinauf - verdammter bergiger Olympiapark! - den Berg hinunter, den Berg hinauf. Ich schwebte über 2,00m-2,50m hohe Holzwände (zumeist getragen von netten Helfern, die den Mädels bei Bedarf Räuberleiter machten, bevor sie sich selbst über das Hindernis schwangen) und meisterte die Merkaufgabe und das Holzstammtragen im Schlaf.


Weiter ging es den Berg hinunter und als ein Helfer angesichts all der keuchenden Menschen verkündete, dass man den Berg nicht mehr hoch müsse, machte sich allgemeine Erleichterung breit.

Die Erleichterung wich am Fuße des Berges schnell nackter Angst, als es durch den See gehen sollte. Eine kleine Abkühlung schön und gut, aber mir zog sich alles zusammen - die Kälte, das Wasser, die verdammte Kälte. Die Durchquerung kam mir unendlich lang vor, so dass ich das Reifenspringen danach als absolute Erleichterung empfand.


Weiter ging es über Kletterhindernisse, an Tauen entlang, Strafburpees machen (Hangeln nicht gemacht, Seil hochziehen nicht gemacht - Notiz: dringend Oberarme trainieren!), unter Netzen hindurch. Und dann war er wieder da: Der verdammte See.


Die Ente hatte es noch gut - wir als vermeintlich eisenharte Spartaner weniger. Es ging ein weiteres Mal in den See, diesmal länger, weiter, kälter als beim ersten Mal.
Unter den Baumstämmen hindurchtauchen war eine Überwindung, aber machbar. Aber diese Kälte.. Die machte mich fertig.


Nach den Baumstämmen ging es ca. 100m weiter watend durch den See, ich immer mehr schlotternd und mich schon im Krankenhaus nach akutem Herzstillstand sehend - ohne Anna und ihren Optimismus hätte ich diesen Teil sicher nicht so gut geschafft.
Wobei - gut ist da so eine Sache.
Am Ende der Seeetappe wartete eine ca. 3 Meter hohe Tauwand auf uns, die wir überwinden mussten. Ich schaffte es noch, mich aus dem Wasser zu hieven und hing dann wie ein trauriges Bündel Leid an der höchsten Stelle, hysterisch bibbernd und zu verängstigt und schein-traumatisiert, um mein Bein über die Barriere zu schwingen und wieder hinunterzuklettern. Dankenswerterweise bemerkte ein Mann meine Not und schwang sich heldenhaft zu mir empor, empfahl mir seinen Arm und geleitete mich in tarzanischer Manier zu Boden. AROOOOO!

Ähm, ja.
Danach war es bei mir erstmal vorbei. Ich war völlig unterkühlt und extrem demotiviert, sehnte mich nach Herrn Fuchs (der daheim geblieben war) und ToMio und meiner Kuscheldecke und ganz viel heißem Tee. Vor allem das mit dem heißen Tee.

Die nächsten Hindernisse meisterte ich wie in Trance, nur angetrieben von Anna, die mir Mut machte (und sang: "Ich hab ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner!", als wir uns unter dem Stacheldraht hindurch rollten).


Den Einlauf ins Olympiastadion erlebte ich fast flennend, die Kälte machte mir mehr zu schaffen als alles andere. Bei der nächsten Station bekam ich eine Wärmefolie, in die ich mich einkuschelte und die mich beim weiterrennen umwehte wie ein Superman-Umhang für Arme. Oder für Spartaner, wie man es nimmt.

Erst beim Sandsacktragen ließ ich die Wärmefolie wieder fallen und fühlte mich wieder etwas mehr wie die Spartanerin, die ich doch so gern sein wollte.


Die 5km waren zu diesem Zeitpunkt bereits geschafft, alles nachfolgende nannte Anna die Kür, da der Lauf auf 5km+ angesetzt war (Köln wird übrigens ein 12km+ Lauf - ich bin erfreut!).

Die nächsten Hindernisse wie neuerliche Schlammbäder schreckten mich daher nicht mehr sonderlich und als ich das Feuer auf der Ziellinie sah, nahm ich meine letzte Kraft zusammen und schwebte wieder elfengleich über die glühenden Kohlen.



Die Medaille wurde mir umgehängt und ich fühlte auf einmal die Kälte nicht mehr.
Verdammt, es war ein geiler Tag und ich bin so froh, dass ich dabei war - und ich verspreche dir, Anna, in Köln heule ich nicht!

Vielen Dank an dieser Stelle auch an den tollen Support vor Ort und die Jungs und Mädels vom Sportograf, die die tollen Bilder geschossen haben!


Übrigens: Heute, zwei Tage nach dem Lauf, spüre ich noch immer Arme, Schultern, Brust und Bauch (blöde Muskeln, blöder Kater). Dafür hat sich das Lauftraining gelohnt, denn die Beine haben den Run ohne Blessuren überstanden ;)

Und das Finisher-Shirt trage ich mit spartanischem Stolz:

Sonntag, 19. April 2015

{Rezension} Lust auf vegan von Áine Carlin



1.) Die harten Fakten
Das Buch Lust auf vegan von Áine Carlin erschien im vergangenen Jahr im EMF-Verlag und landete kurz darauf in meiner Küche. Die Autorin verzichtet auf ein langes Vorwort oder die Gründe, warum man sich vegan ernähren soll/kann/muss/darf und startet direkt mit dem Rezeptteil, was mir entgegenkommt. Die Rezepte gliedert sie in Frühstück, Brunch & mehr, Mittagessen & schnelle Abendessen, Für besondere Anlässe, Beilagen und Soßen und Süße Leckereien.



2.) Die Rezepte
Jedes Rezept wird mit einem kleinen Text eingeleitet, in dem die Autorin etwas zur Geschichte des Gerichtes schreibt oder Zubereitungstipps gibt. Da nicht jedes Rezept bebildert ist, kann man sich unter manchen Sachen wie dem Chana Masala zunächst vielleicht wenig vorstellen - allerdings bleibt so natürlich auch mehr Spielraum für die eigene kreative Umsetzung und Präsentation. Gerade die Hauptgerichte leben von einer Vielfalt von Gewürzen, wobei die meisten in meiner Küche ohnehin zum Standard gehören. Auf allzu komplizierte Kapriolen wird verzichtet, was mir persönlich sehr entgegenkommt, da dieses Kochbuch für die Alltagsküche super funktioniert.
Viele der Gerichte sind indisch oder nahöstlich angehaucht (z.B. das Chana Masala oder der Marokkanische Kichererbseneintopf mit Safran-Couscous) wobei auch mediterrane Einflüsse spürbar sind (so bei den verschiedenen Risottos oder den Pizzavariationen).
Das Chana Masala (S. 61) habe ich bereits mehrfach gekocht und bin jedes Mal erneut über die aromatische Vielfalt der Gewürze erfreut - und es wurde auch beim Tag der offenen Tür im Tierheim als veganes Gericht angeboten und kam sehr gut an. Ebenfalls absolut großartig schmeckt das Kartoffel-Blumenkohl-Curry (S. 64), wobei beide Gerichte sich recht erfolgreich gegen schöne Fotos wehrten - da verstehe ich, dass beide zu den Rezepten gehören, die ohne Bild auskommen (müssen). Der geröstete Brokkoli (S. 120) ist dank einfacher Zutaten ein klassisches Feierabend-Essen und auch die Eingeweichten Haferflocken mit Kakao und Mandelbutter (S. 16) - hier getoppt mit bunten Zuckerherzen - zum Frühstück haben schon unter der Woche gut funktioniert. Absolutes Highlight war allerdings die Schäferinnenpastete mit Süßkartoffelkruste (S. 92) - ich verputzte tatsächlich die 4-Personen-Portion fast ganz allein!

Eingeweichte Haferflocken mit Kakao und Mandelbutter
Blumenkohlcurry mit Couscous und einem Klecks Sojajoghurt
Gerösteter Brokkoli

Schäferinnenpastete
Chana Masala

3.) Fazit

Das Kochbuch Lust auf vegan hält, was der Titel verspricht: die Rezepte machen tatsächlich Lust darauf, sie sofort nachzukochen - und wenn man die Gerichte dann isst, bekommt man eben ganz schnell Lust auf vegan ;)
Die Küche der Autorin kommt ohne den übermäßigen Gebrauch von Ersatzprodukten aus, was ich als sehr angenehm empfinde. Das Design und die Typographie sind sehr liebevoll gestaltet, sodass schon das bloße Durchblättern Lust auf mehr macht. Dass nicht alle Rezepte bebildert sind mag zunächst als kleiner Wehrmutstropfen erscheinen - vor allem, wenn man soooo gerne Bilder von Essen bewundert wie ich - dennoch ist das Buch so ansprechend gestaltet, dass ein durchweg positiver Eindruck bleibt.


Vielen Dank an den Edition M Fischer Verlag, der mir das Buch kostenfrei zur Rezension zur Verfügung gestellt hat.