Donnerstag, 11. Oktober 2012

Katzen sind Einzelgänger...

Eine Diskussion, die immer wieder ausgesprochen gerne geführt wird, ist, dass Katzen angeblich Einzelgänger seien.
Das Leid, das ein Lebewesen fühlen muss, wenn es alleine in einem Käfig / einer Wohnung eingesperrt ist, kann ich mir nur in Grenzen vorstellen. Das schlimme daran ist für mich, dass die Halter dieser einsamen Haustiere sich oft als tierlieb bezeichnen, ohne auch nur etwas von den Bedürfnissen ihrer Tiere zu ahnen, geschweige denn, ihre Verzweiflung zu erkennen..
Da ich selbst zwei Kater habe, möchte ich einfach mal ein paar Gedanken loswerden, die mir immer wieder durch den Kopf gehen:
Ein Leben lang auf Menschen, ihre Gnade und Laune, ihre finanziellen Möglichkeiten, ihren Gutwillen, wenn es um Ernährung oder Tierarzt geht, angewiesen zu sein, ist ein Los, das alle Haustiere teilen. Dass es aber Menschen gibt, die diese Abhängigkeit noch steigern, indem sie hochsoziale Tiere wie Katzen alleine halten und so zu einem Leben in Einzelhaft verdammen, kann und will ich einfach nicht verstehen. Hat eine Katze Freigang, kann sie ihre sozialen Kontakte draußen knüpfen..
 
Allein in einer Wohnung, besteht ihr Leben vor allem aus einem: Warten.
Warten auf Futter. Warten auf Streicheleinheiten. Wenn Herrchen oder Frauchen arbeiten gehen: Warten auf Gesellschaft. Warten, dass etwas passiert. Was, ist eigentlich egal. Hauptsache, es gibt ein klein wenig Abwechslung in dem trüben Alltag einer einzelnen Wohnungskatze.
Bitte, haltet keine Katzen alleine! 
Egal, wieviel du dich mit "deiner" Katze beschäftigst...
...leckst du ihr Fell sauber?
...jagst du mit ihr zusammen Staubflocken hinterher?
...trägst du kleine Spaßkämpfe mit ihr aus?
...kommst du, wenn sie dich mauzend ruft? - Und mauzt du auch zurück?
...frisst du neben ihr aus einem Napf und gierst nach ihrem Futter?
...lauerst du mit gesenktem Kopf hinter einem Stein, wohlwissend, dass sie dich längst gesehen hat und deinen Angriff freudig erregt erwartet?
...machst du ihr die Maus streitig, um sie als dein Geschenk zu verkaufen?
...sitzt du neben ihr in der Transportbox, wenn es zum Tierarzt geht, um sie zu beruhigen?
...putzt du ihre Öhrchen oder schleckst ihr Köpfchen sauber?
...schnappst du ihr in letzter Sekunde das Leckerchen weg und triumphierst voll Stolz?
...passt dein Körper so perfekt an ihren, dass ihr zu einem zuckersüßen Fellklumpen zu verschmelzen scheint?

Katzen brauchen Katzen. Eine Katze ist kein Einzelgänger - und wenn, dann wurde sie von Menschen dazu gemacht. Jede Katze sollte die Chance haben, mit einem Kumpel Schulter an Schulter die Nachbarschaft zu rocken.. Wenn Freigang nicht möglich ist, dann ist ein Katzenkumpel unerlässlich!!!
Oder würdest du gerne mit Wesen zusammenleben, auf die du in allen Lebensphasen angewiesen bist? Deren Mimik, Gestik und Sprache du nicht verstehst, nicht mal ein bisschen?

Dies ist ein Appell an alle Katzenhalter! 

Zum Wohl eurer Samtpfoten - zwei Katzen machen nicht mehr Arbeit als eine.. Sie bringen aber 1.000 Mal mehr Freude. Die Sorge, zwei Katzen würden sich nicht so sehr an Menschen binden, ist vollkommen unbegründet.

Ich lebe seit drei Jahren mit zwei Katern zusammen, die mich trotz (oder vielleicht auch wegen) der Anwesenheit eines Katzenkumpels und Freigang (und fremdfütternden Nachbarn *grmbl*) verehren. Sie kommen immer wieder - bringen Geschenke mit und freuen sich wie Bolle, wenn ich aus der Uni komme. Sie erkennen mein Pfeifen, das Geräusch meines Schlüssels und das Bremsen meines Fahrrads - und ich garantiere euch, es treibt mir manchmal noch immer Tränen der Freude in die Augen, wenn ich meine Jungs aus dem Gebüsch schießen sehe, wie sie mir Seite an Seite entgegenlaufen und freudig mauzen!

Diese beiden sind der beste Beweis, dass Katzen keine Einzelgänger sind! Morgen geht es zum Tierarzt - natürlich in einer extra großen Transportbox, da die beiden auch auf dem Weg zum Arzt nicht getrennt werden. Ich schleppe mir an den 11 Kilo (inkl. Box) zwar dezent einen Bruch, aber für die zwei würde ich noch viel mehr tun... Die beiden halte ich nicht zu meinem Spaß - ich lebe mit ihnen zusammen und versuche, ihnen den Freiraum zu geben, den ich mir selbst wünschen würde.


Und die Fotos sprechen doch Bände, oder?!

Das war es. Mehr wollte ich dazu nicht sagen. Es ging mir nur mal wieder so durch den Kopf.............





Kommentare:

  1. Hallo Frau Schulz, so wie bei mir im Blog unter deinem Kommentar angekündigt, hier nun ein Kommentar von mir zum Thema "Katzen nicht allein halten." ;)

    Zunächst einmal find ich deinen Post total gut!

    Und gerade deshalb wende ich mich jetzt mal fragend an dich!
    Denn ich finde, du hast absolut Recht!

    Ich erzähle mal ein bisschen von meiner Katze vorab.
    Als ich im April 2011 nach einer Katze für mich und meinen damaligen Freund (nun Exfreund) suchte habe ich diverse Katzenhäuser, Tierheime ect. abgeklappert. Da wir an einer großen Strasse wohnen stand von vornherein fest, dass es nur eine/zwei Wohnungskatzen werden können, denen wir noch ein schönes Zuhause geben wollten. Das Alter der Katze war uns auch egal.
    Jedoch mussten wir feststellen, dass es in den Einrichtungen in der Gegend nur Freigänger gab. Das Problem ist nämlich, dass die Tierheime die Katzen aus Wohnungshaltung Zugang zu einem Freigehege bieten. Danach kann man diese Katzen nicht mehr nur drinnen halten. :(
    Durch Zufall ergab sich dann aber beim letzten Versuch während der Suche, dass im Tierheim eine Frau anrief mit einem Notfall. Ihr Nachbar wäre ausgezogen und hätte die Katze zurückgelassen! Sie war schon 2 Wochen allein und da die Nachbarin wenigstens einen Wohnungsschlüssel hatte, konnte sie wenigstens die Katze mit Futter versorgen. Sie hätte bei allen Tierheimen in der Gegend angerufen aber keins wollte die Katze aufnehmen. Die auch noch ungeimpft war und somit erstmal in Quarantäne gekommen wäre. Ich rief daraufhin bei der Frau an und verabredete mich noch am selben Tag mit ihr. Als wir die Katze (die eine reine Wohnungskatze ist) abholten, machte sie einen unglaublich ängstlichen Eindruck. Wer weiss was ihr alles wiederfahren war...2 Wochen komplett allein in der Wohnung.
    Anfangs hat sie sich nur verkrochen und nur ganz langsam faste sie Vertrauen, vor allem zu mir. MItlerweiel ist sie mutiger und kommt auch bei fremden raus, wenn ich auch da bin.
    Doch sie ist immer noch sehr schreckhaft und auch gegenüber anderen Katzen sehr ängstlich. Im Sommer hatte ich sie zwei Woche mit zu meinen Eltern genommen, da ich dort eine kleine Ferienwohnung für mich hatte. Zuerst hatte sie sich wieder verkrochen. Während der gesamten zwei Wochen versteckte sie sich immer wenn jemand anderes reinkam und auch vor dem Kater meiner Eltern, der ab und zu am Fenster saß und ganz neugierig war, hatte sie große Angst. Ich denke mal sie hatte vorher nie Kontakt zu anderen Katzen. Sie ist mitlerweile 3 1/2 Jahre alt und ich weiss nicht ob es mit einer zweiten Katze jemals klappen würde.
    Gern würde ich sie auch rauslassen, wobei ich dann wohl wirklich im Grünen wohnen müsste.

    Was meinst du denn dazu?
    Ich würde mich da wirklich gern mit dir darüber austauschen, da du Erfahrung mit zwei Katzen hast. :)

    LG Nicole

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    1. Liebe Nicole,

      ich denke, dass es nie zu spät für eine Vergesellschaftung ist. Diese sollte mit viel Liebe, Zeit und Geduld durchgeführt werden - gerade bei Katzen, die ihr Leben lang allein waren.
      Mehr dazu habe ich dir per Mail geschrieben - das würde sonst den Rahmen sprengen ;)

      Alles Liebe, Frau Schulz

      P.S.: Schreib mir auf alle Fälle, wie du dich entschieden hast - ich drücke dir / euch die Daumen!

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  2. hallo frau schulz,

    ich bin durch zufall und viel geklicke auf deinem blog gelandet... deine beiden kater finde ich echt klasse und zu deinem bericht dementsprechend beide daumen hoch! katzen brauchen gesellschaft - auch wenn sie nicht jede sekunde miteinander verbringen, merkt man immer wieder, wie sehr sie aneinander hängen (haben mir unsere beiden übrigens auch bestätigt;-)

    liebe grüße,

    eine andere frau S.

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