Montag, 11. März 2013

Blogparade: Mein Lieblingsbuch


Bei Angie von Bissen fürs Gewissen und keks und karotte bin ich auf die Blogparade von Jennifer gestoßen, die dazu aufgefordert hat, unser Lieblingsbuch vorzustellen. Das mache ich natürlich gerne, vor allem, da ich mein Lieblingsbuch am 23.04.2013 im Rahmen der Aktion Blogger schenken Lesefreude verlosen werde. Dort habe ich es schonmal kurz vorgestellt, allerdings ist es mein allerliebstes Lieblingsbuch, daher kommt hier die Geschichte, wie ich zu diesem Buch fand:

Ich habe einen etwas außergewöhnlichen Vornamen und wurde schon als Kind häufig gefragt, warum ich denn so heiße. Tja, meine Antwort war stets "Meine Mama hat ein Buch gelesen!", denn das sagten meine Eltern, als ich sie nach dem Grund meines Namens fragte. Welches Buch genau für meinen Namen verantwortlich war, wurde allerdings nicht verraten.
Zu meinem achtzehnten Geburtstag bekam ich einen Karton. In dem Karton lagen verschiedene Zeitschriften, die mein Papa am Tag meiner Geburt gekauft hat - sehr lustig, zu sehen, dass die Schlagzeile des SPIEGELs damals lautete "Der neue Streit um die Pornographie" und Robert Redford sich nach 29 Jahren scheiden ließ (danke an die BILD) - und das Buch, das meine Mama zu meinem Vornamen gebracht hat: Der Herzausreißer von Boris Vian. Keine Angst, es ist kein verschrobener Liebesroman, vielmehr ist es ein ziemlich verrücktes Buch, in dem ein Psychiater bei der Geburt von Drillingen hilft, einen Pfarrer kennenlernt, der mit Vorliebe seine Gemeinde beschimpft, und das Leben in einem französischen Dorf am Meer erlebt.

Nun habe ich die Angewohnheit, wenn mir ein Buch sehr gut gefällt, ALLE Bücher des Autors lesen zu wollen. Das ist natürlich meist ein unmögliches Unterfangen, allerdings kaufe ich trotzdem mindestens 3 - 5 weitere Bücher (das erklärt bspw. auch meine kleine Márquez-Sammlung, Die Liebe in den Zeiten der Cholera war Anstoß eines Kaufrausches, der sich aber durchaus gelohnt hat ;) ) und so landete nach der Lektüre des Herzausreißers, in dem übrigens gar kein Herzausreißer vorkommt, Der Schaum der Tage in meinem virtuellen Einkaufswagen.

Der Schaum der Tage hat mich so begeistert, dass ich davon mittlerweile drei Exemplare besitze, weitere 6 - 7 wurden schon verschenkt oder sind verliehen. Meiner Meinung nach sollte einfach jeder dieses Buch kennen, dann wäre es bestimmt das Lieblingsbuch von ganz, ganz vielen Menschen :)

Nun möchte ich euch aber noch das Buch vorstellen, das mein Herz berührt hat und mich seitdem in allen Lebenslagen begleitet: Ich lese es, wenn ich Liebeskummer habe, wenn ich fröhlich bin oder besonders glücklich. Ich lese es im Winter bei einer Tasse Tee, die Beine unter einer dicken Decke übereinandergeschlagen, ich nehme es in den Urlaub mit und puste den Sand vom Rücken. Ich las es, als meine Oma gerade gestorben war, aber auch an heißen Sommertagen auf der Terrasse sitzend. Immer und immer wieder tasten sich meine Augen die Buchstaben entlang, hangeln sich von Zeile zu Zeile und verschlingen jede Seite, wohlwissend, dass das Ende naht.


Der Schaum der Tage (L'écume des jours)

Der Schaum der Tage erzählt die Geschichte von Colin, der eigentlich sehr glücklich ist: Er hat einen Koch, der ihm frischgefangenen Aal aus der Wasserleitung zubereitet, liest gern Bücher von Jean-Sol Partre oder trifft sich mit seinem besten Freund Chick. Als dieser sich in Alise verliebt, merkt Colin, dass ihm doch etwas fehlt:

"Ich möchte verliebt sein", sagte Colin. "Du möchtest verliebt sein. Er, sie, es möchte dito (verliebt sein). Wir, ihr möchten, möchtet. Sie möchten ebenfalls..." 
Er knotete seine Krawatte vor dem Spiegel im Badezimmer. "Nun muss ich nur noch Jacke, Mantel und Schal, den rechten und den linken Handschuh anziehen. Keinen Hut, damit die Frisur nicht durcheinandergerät. Was machst du denn da?"
Er wandte sich der grauen Maus mit den schwarzen Schnurrhaaren zu, die sich in seinem Zahnputzglas und damit nicht gerade an einem passenden Ort aufhielt, ja sogar die Ellenbogen auf den Rand eben dieses Glases stützte und im übrigen unbeteiligt dreinblickte. [...] 
"Es ist Liebe in der Luft", folgerte er, "das wärmt." 

Ja, Colin unterhält sich mit einer Maus. Nicht die einzige wundervolle Besonderheit dieses Romans. Boris Vian zeichnet mit wunderschönen Worten (Die Haustür schloß sich mit dem Geräusch eines Kusses auf eine nackte Schulter...) eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe, ohne dabei in Kitsch oder Trivialität abzudriften.
Doch zurück zu Colin. Auf einer Party der gehobenen Gesellschaft kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung:
"Sie müssen mich unbedingt diesem Mädchen hier vorstellen!", sagte Colin.
Isis schüttelte ihn, um ihn zum Schweigen zu bringen.
"Wollen Sie jetzt wohl brav sein?"
Er erspähte bereits ein anderes Mädchen und zerrte an der Hand seiner Begleiterin.
"Das ist Colin", sagte Isis. "Colin, darf ich Ihnen Chloé vorstellen."
Colin schluckte ein paarmal. Sein Mund schmeckte nach verbrannten Pfannkuchen.

Colin und Chloé treffen sich, verlieben sich und nach kurzer Zeit verkündet Colin seinen Freunden: "Ich werde Chloé in einem Monat heiraten", sagte Colin. "Und ich wünschte, es wäre morgen!"

Doch wie es so oft ist mit dem großen Glück, ist auch dieses nur von kurzer Dauer. Denn schon auf der Hochzeitsreise wird Chloé krank.
Der gerufene Arzt Professor Frißtfrißt, der mit seiner teuren Behandlung das Vermögen der Patienten frisst, stellt schon bald die schlimme Diagnose:
"Diese Seerose", sagte Colin, "wo hat sie sich die nur geholt?"
"Sie hat eine Seerose?", fragte Nicolas ungläubig. 
"In der rechten Lunge", sagte Colin. "Der Professor glaubte zuerst, es sei nur irgendein Tier. Aber es ist eine Seerose. Man konnte sie auf dem Schirm sehen. Sie ist schon ziemlich groß, aber wir werden ihr beikommen."

Die Geschichte von Colin und Chloé ist wunderschön, tieftraurig und hoffnungsvoll zugleich. Immer und immer wieder habe ich das Buch gelesen und werde es noch viele Male lesen. Die Welt, die Boris Vian in seinem Schaum der Tage zeichnet, ist zugleich ganz anders als unsere Welt und doch so ähnlich - immer wieder verzaubern mich seine Worte, immer wieder tauche ich ein in eine Welt, in der Mäuse sprechen können, Aale in Wasserleitungen leben, Leichen im Spind eingeschlossen werden und eine Seerose in der Lunge nur mit Blumen im Zimmer bekämpft werden kann.

Wie das Buch endet?
Verrate ich nicht. Ihr müsst es selbst lesen :)

Kommentare:

  1. Was für eine schöne Idee und wie schön du es beschrieben hast, jetzt will ich es unbedingt lesen!

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  2. Na toll...jetzt muss ich mir schon wieder ein neues Buch kaufen. Wunderschön rezensiert, so toll geschrieben.

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  3. Ich habe doch sowieso schon viel zu viele Bücher die ich noch lesen muss. Jetzt kommt auch noch eins dazu. ;)
    Danke, das Buch klingt ganz wunderbar!

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  4. Sprechende Mäuse? Das Buch muss ich haben :) Sehr schön beschrieben.

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