Samstag, 29. Juni 2013

Man spiele mir Musik...

In meinem Kopf:

Ein breiter Sessel in einem großen, von dunklen Dielen und cremefarbenen Wänden umrahmten Wohnzimmer. Ich im Schneidersitz auf dem Sessel sitzend, TomTom zusammengerollt auf meinem Schoß.

Dicke Kopfhörer auf den Ohren, kein Laut dringt in meine Welt, den ich nicht hören will.

Bass voll aufgedreht, wer braucht schon ein intaktes Trommelfell?

Und laut, so laut, dass sie jeden inneren Schmerz übertönt, Musik!

Es soll Menschen geben, die auf die Töne hören. Ich höre auf den Text. Ich brauche Lyrics, die durch und durch gehen. In die Ohren, durch jede Faser meines Körpers, direkt in mein Herz.
Da sollen sie ankommen und die Gefühle auslösen, die die Umwelt nicht mehr auszulösen vermag.

Laut, so laut!
So laut, dass ich meine eigenen Schluchzer nicht mehr hören muss.

Ich schließe die Augen. Sehe Zeilen vor mir schweben, durch den Raum gleiten. Die Buchstaben sehen aus wie die Worte, die sie bilden - manchmal traurig, selten glücklich, häufig verzweifelt, doch fast immer rastlos und laut!

Das immergleiche Lied in Dauerschleife hören, bis der Kloß im Hals sich löst und endlich Tränen kommen.

Worte, die zu Pfeilen werden, die mich aufzuspießen drohen, die da sind. Die fühlbar sind.

Unglauben, dass andere das fühlen können, was ich fühle. Dass sie Lieder darüber schreiben - Lieder, die ich dann nur wegen der Texte höre!

Songwriter sind das, was Goethe vor hunderten von Jahren war. Kein Gedicht kann mich so berühren wie schwermütige Musik, die doch nur Rahmen des kummervollen Textes ist.

Ich drehe die Musik lauter. Sie soll alles übertönen: Jeden Schrei, jedes Leid. Jedes Schluchzen und jede Träne. Jeden Blick - sie soll da sein, wenn sonst nichts mehr da ist!

Ich wünsche mich in einen Film, ich will einen Soundtrack - ich will Musik in den Szenen meines Lebens, in denen mir die Worte fehlen, meine Gedanken und Gefühle auszudrücken.

Man spiele mir Musik, verdammt, das kann doch nicht so schwer sein! 






1 Kommentar:

  1. Oh je ! Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut - leider...aber man wächst jedes Mal ein bisschen mehr an diesem Schmerz, der die Vergangenheit ,die Ohnmacht,die Hilflosigkeit und Verzweiflung an die Oberfläche bringt. Und irgendwann findest du deine eigenen Worte, die keinen musikalischen Hintergrund benötigen, weil sie alleine stark genug sind...
    LG aus dem Norden

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