Freitag, 9. Januar 2015

{Rauchfrei 2015} Die Geschichte von Frau Schulz, Herrn Fuchs und dem blauen Dunst.



Das neue Jahr startet bei mir wie bei so vielen anderen auch mit einer Menge guter Vorsätze: mehr Sport, weniger naschen, mehr Masterarbeit, weniger fernsehen. 

DEN guten Vorsatz, den ich in den vergangenen Jahren nie umsetzen konnte, gibt es nun aber in diesem Jahr nicht mehr: Ich rauche seit nunmehr zwei Monaten nicht mehr und zähle nun zu dem seltsamerweise nicht minder glücklichen Volk der Nichtraucher. Nach 12 Jahren täglicher Raucherei habe ich nun endlich den richtigen Anstoß bekommen – seines Zeichens Herr Fuchs. „Nicht nur nen buschigen Schwanz haben – Fuchs muss man sein“, grinste er so manches Mal in den unterschiedlichsten Situationen. Und Recht hat er. 

Ich bin nun also rauchfreie Fuchsdame geworden – natürlich koste ich den moralischen Vorteil, den ich dadurch gewonnen habe („Denk dran, ich habe für dich das Rauchen aufgegeben“) außerordentlich gerne aus, ohne freilich auszusprechen, dass mir das nichtrauchen gut gefällt. Das würde ich niemals zugeben. Lieber leide ich melodramatisch vor mich hin und grinse zugleich glücklich in mich rein, wenn Verwandte überrascht die Augen aufreißen.
Wenn ihr Tipps haben wollt, wie man das (un-)geliebte Laster aufgeben kann – ich kann es euch nicht sagen. Ich habe ein Päckchen am Tag geraucht, war zufrieden und glücklich damit. Ich ignorierte geflissentlich die gelegentlichen trockenen Huster, nahm gelbe Finger in Kauf und kaute Tonnen an Kaugummi, wenn ich zum Zahnarzt musste. Weder Mandel-OP noch Bronchitis konnten mich und meine Fluppe trennen. 

Und ich war glücklich. Ich liebte es zu rauchen. In den unterschiedlichsten Situationen habe ich geraucht – nach dem Sport, vor dem Sport (legendär ist noch immer mein erster 5-km-Lauf, bei dem ich mir 10 min. vor dem Start noch schnell eine Zigarette ansteckte), in Kneipen, in Zügen (damals, als es noch Raucherabteile gab) – ich rauchte überall. Nichtraucher waren mir suspekt. Die hatten irgendwie weniger Spaß, waren weniger cool, waren nicht so locker. Kein Rock’N’Roll, weisste?!

Gassi ging ich nur zu Dritt: Hund, Kippe und ich. Ich knutschte nur mit Rauchern, die Nichtraucher beschwerten sich zu viel und waren ja eh weniger cool, nicht so locker. Ich rauchte heimlich auf Nichtraucherbahnhöfen, stand in der Kälte vor Kneipen und verfluchte den Nichtraucherschutz und beweinte so manchen Rock, wenn mal wieder ein Brandloch darauf war. Ich lag am Badesee immer zu zweit auf meinem Badetuch und war mit den Zigarettenverkäufern auf Du und Du. 

Irgendwann, so sagte ich mir, irgendwann werde ich schon aufhören. 

Das erste Mal versuchte ich es mit 23. Da hatte ich neun Jahre fröhliche Raucherei hinter mir, hatte bereits Zigaretten im Wert eines Kleinwagens durch meine Lunge gepustet und mein persönliches Krebsrisiko um ein Vielfaches erhöht. „No risk, no fun“, schob ich solche Gedanken bei Seite und steckte mir eine weitere Zigarette an. „23“, so dachte ich, „23 ist doch kein Alter. So ab 27 kann ich mir Kinder vorstellen, also höre ich am besten mit 25 auf. Dann hat mein Körper noch zwei Jahre Zeit, sich zu erholen.“, sprach’s und rauchte weitere 2 Jahre. 

Mit 25 schrieb ich meine Bachelorarbeit. „Danach höre ich auf.“ Ich rauchte weiter. Es gab immer irgendeinen Anlass: Mal war es die Bachelorarbeit, dann war Prüfungsphase, dann hatte ich einfach keine Lust. Ich rauchte gerne, viel und zu allen Gelegenheiten. Mein Freundeskreis bestand fast nur noch aus Rauchern, auf der Arbeit hatte ich den meisten Kontakt zu Rauchern und meine ganze Welt war eingehüllt in blauen Dunst. 

Natürlich hatte es in den langen Jahren des Raucherdaseins auch das ein oder andere unschöne Erlebnis gegeben: Zum Beispiel, als mein erster Freund und ich zusammenzogen und auf einmal auch in der Wohnung geraucht wurde. Da wurde Herr Schulz, mein erster Kater, plötzlich gelb. Das Nikotin setzte sich in seinem schneeweißen Fell ab und darauf folgte ein allgemeines Rauchverbot für die Wohnung, an das ich mich penibel hielt. 
Oder Erlebnisse in der Stadt, wenn ich rauchend durch die Straßen ging und plötzlich merkte, dass ein Kind hinter mir lief und stets auf Augenhöhe der Zigarette atmete. Dann riss ich die Zigarette in die Höhe, hatte ein unheimlich schlechtes Gewissen. Und rauchte trotzdem weiter.

Aber alles in allem war ich zufrieden mit mir, meinen Zigaretten, den Aschenbechern und Feuerzeugen. 
Bis Herr Fuchs kam.

Irgendwie brauchte es plötzlich nicht mehr viel. Er verzog das Gesicht, fragte, ob ich geraucht hätte und ich schlug stets die Augen nieder und brummte „nö“. Und wusste, dass er die Schwindelei durchschaute. Und ich verstand es ja so gut: wenn er Wurst gegessen hat, will ich ihn nicht küssen. Das schmeckt, als würde ich eine Metzgertheke ablecken. Und ich verlangte, dass er mich nach 5 oder 6 Zigaretten am Tag noch küsst?!

Am 12.11.2014 rauchte ich vormittags meine letzte Zigarette und kaufte mir danach einfach keine Packung mehr. Bis jetzt fällt es nicht schwer, es fehlt mir nicht und obwohl ich manchmal Lust habe, eine zu rauchen, weiß ich, dass ich es nicht mehr machen werde. Danke, lieber Herr Fuchs ;)


Kommentare:

  1. Süße! Das ist Fantastisch! Glückwunsch zum nicht rauchen! :)

    AntwortenLöschen
  2. Es ist immer wieder witzig, wenn man Menschen nicht im "echten Leben" kennt, man stellt sie sich ganz anders vor...nie im Leben hätte ich mir dich als Raucherin vorgestellt. Wie praktisch, dass ich dies auch in Zukunft nicht tun brauche, du hast ja jetzt aufgehört! ;) Und darauf kannst du wirklich stolz sein, ich habe zwar nicht viele Freunde, die Rauchen (nicht bewusst so ausgesucht, sondern purer Zufall), aber bei denjenigen, die aufhören wollten oder es getan haben, habe ich mitbekommen, wie schwierig das sein muss. Es freut mich für dich, dass du dein Ziel erreicht hast und wünsche dir ein gutes Durchhaltevermögen, auch in den etwas stressigeren Phasen (ich bin ja gerade auch mit der Masterarbeit beschäftigt, weiß also, wovon ich rede...). Herr Fuchs scheint seinen Namen ja wirklich nicht umsonst zu haben, halte den mal gut fest :) Und reiche ihm zwischendurch ein paar Cookies und Gemüsesticks, damit dem Küssen nichts im Wege steht. Aber mit Essen wird er den Vegan Wednesday-Beitragen zufolge ja schon reichlich versorgt :)

    Alles Liebe
    Natalie

    AntwortenLöschen
  3. Ich kann das sehr gut verstehen, ich habe früher auch so gerne geraucht. Aufstehen und dann: Coffee & Cigarettes und ich war so glücklich. Am See, die Zigarette und ich, und ich war so glücklich. Ich fand damals sogar, dass Rauchermünder sehr gut schmecken und habe auch überwiegend so geknutscht. Abends im Club: Bier und Zigarette und ich war so glücklich. Tja. Ich habs dann auch aufgehört, von einem auf den anderen Tag. Das ist jetzt schon 7 Jahre her und hat gut geklappt. Ich bin mittlerweile sehr anstrengende Nichtraucherin, ich kann das Gerauche gar nicht mehr leiden und finde Raucherkneipen das schlimmste überhaupt.
    Kinder sind zu Rauchern übrigens oft ziemlich super, weil so schön ehrlich. Die Knaller unserer Tochter:
    "Oma, der Opa brennt!"
    "Oma, der Opa zündet sich wieder an, es dampft schon."
    Und in der Stadt:
    "Ih, Mama, die Frau vor mir hat eine Zigarette und die raucht mir ins Gesicht, das ist so eklig. Iiiiiiiiiiiiih, Mamaaaaa, die Frau da vooooor mir...." - Ja, diese Frau fühlte sich auch nicht mehr so gut. ;)

    AntwortenLöschen
  4. Schön! - Ich habe vor...lass rechnen...es werden jetzt 11 Jahre mit dem Rauchen aufgehört...nur einmal hab ich es nach 2 Jahren nochmal probiert und es war wiederlich.... Du schaffst das !!! LG

    AntwortenLöschen
  5. Finde ich toll und weiter so! Und herzlichen Glückwunsch zum sehr verständnisvollen Herrn Fuchs ;-). Ich selbst habe in meinem Leben nur eine einzige Zigarette gequalmt, von der mir Gott sei Dank so schlecht wurde, dass ich mich gar nicht erst weiter damit "beschäftigt" habe ;-). Blöde, andere Kommentare deswegen waren mir piepegal und dazu stand ich.
    Dafür habe ich vor zwei Jahren dem Alkoholkonsum adieu gesagt, keinen Tropfen mehr angerührt und das ist bis heute so. Mag noch nicht einmal mehr Weißweinessig zum Kochen, krass. Daher kann ich, denke ich, gut verstehen, wie es Dir geht.
    Mein Vorsatz für dieses Jahr: Weniger Pepsi-Konsum, das ist mein Laster... leider mag ich auch keinen Kaffee, schwierige Kiste mit mir, von daher ist Cola mein Koffein, leider nicht gut für den Magen... ich nehm mir mal ein Vorbild ;-).
    Und um nun vollständig vegan zu werden, gibt's nun auch keine Eier mehr - inzwischen sind genügend Rezepte für Kuchen, etc. angesammelt worden, der erste eifreie Kuchen ist auch schon umgesetzt worden und ist mehr als gut angekommen. Kann nur aufwärts gehen.
    LG, Natascha.

    AntwortenLöschen