Dienstag, 21. April 2015

{Sport} Spartan Race Sprint, München 2015



Kennt ihr auch solche Mädchen, die sich im Sportunterricht immer gedrückt haben? 
Die stets mit passender Ausrede (fehlender Sport-BH, vorhandene Periode, zukünftiger Blutsturz) aufwarteten und alles taten, um bloß nicht am Sportunterricht teilnehmen zu müssen?

Ja, ich war ein solches Mädchen. 
Ich gestehe es öffentlich: Ich habe Sport gehasst! 

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so recht, wieso. Ich war nie besonders dick oder dünn, hatte eigentlich gute Voraussetzungen um sportlich zu werden - aber irgendwie wollte ich das einfach nicht. Mich vor anderen zu bewegen war mir suspekt. Es erschien mir elementar falsch, vor anderen Menschen zu schwitzen. Und vor anderen versagen konnte ich schon gar nicht. 

Also saß ich meist am Rand, kassierte eine schlechte Note nach der anderen und die 4 in Sport zierte sogar noch mein Abizeugnis. 

Schon längst ausgezogen war ich mit Anfang 20 bei meinen Eltern zu Besuch und brach den geplanten Fahrradausflug zur 5km entfernten Eisdiele ab, weil zu viel Gegenwind war.

Sport war blöd. Ich rauchte lieber. (Warum ich das jetzt nicht mehr tue, erfahrt ihr hier)

Irgendwann änderte sich meine Haltung zum Sport (warum und wie erzähle ich vielleicht mal bei anderer Gelegenheit) und nach einigen Jahren auf dem Rad begann ich vergangenen Herbst mit joggen. Aktuell trainiere ich auf meinen ersten Halbmarathon - aber von dem soll heute nicht die Rede sein!

Die Rede ist von etwas anderem, etwas größerem - SPAAAARTAAAAA!

Ähm ja, genau. 
Ich habe mich vor ein paar Wochen für den Sparta Race Super in Köln angemeldet, der Ende Juni stattfindet. 'Großartig', dachte ich, 'in zwei Monaten kann ich locker Arme und Schultern trainieren, um den Lauf durchzustehen!' 

Tja, falsch gedacht. 
Die Freundin, mit der ich im Juni nach Köln fahren werde, rief mich nämlich vergangenen Mittwoch an: Wir hatten zwei Freikarten für den Spartan Race Sprint gewonnen! Kleiner Haken: Der Lauf war bereits am Samstag.


Verpflegung: Rohkost, Brot mit Räuchertofu, Bananen, Brownies
Hmmm, so viel also dann zur Vorbereitung. 

Wir fuhren also Samstag die rund 400km nach München (und abends auch wieder zurück) und ich lief meinen ersten richtigen Wettkampf und meinen ersten Hindernislauf überhaupt!


Wir starteten mit der Welle um 15:00 im strahlenden Sonnenschein, angeheizt von zwei heiseren Moderatoren, die vermutlich seit frühmorgens brüllten: "Wer seid ihr heute?" Und alle so: "Spartaner!" 

Ja, verdammt, wir waren Spartaner und ich auch, denn ich war mittendrin! Ich ließ mich mitreißen, rannte los, den Berg hinauf - verdammter bergiger Olympiapark! - den Berg hinunter, den Berg hinauf. Ich schwebte über 2,00m-2,50m hohe Holzwände (zumeist getragen von netten Helfern, die den Mädels bei Bedarf Räuberleiter machten, bevor sie sich selbst über das Hindernis schwangen) und meisterte die Merkaufgabe und das Holzstammtragen im Schlaf.


Weiter ging es den Berg hinunter und als ein Helfer angesichts all der keuchenden Menschen verkündete, dass man den Berg nicht mehr hoch müsse, machte sich allgemeine Erleichterung breit.

Die Erleichterung wich am Fuße des Berges schnell nackter Angst, als es durch den See gehen sollte. Eine kleine Abkühlung schön und gut, aber mir zog sich alles zusammen - die Kälte, das Wasser, die verdammte Kälte. Die Durchquerung kam mir unendlich lang vor, so dass ich das Reifenspringen danach als absolute Erleichterung empfand.


Weiter ging es über Kletterhindernisse, an Tauen entlang, Strafburpees machen (Hangeln nicht gemacht, Seil hochziehen nicht gemacht - Notiz: dringend Oberarme trainieren!), unter Netzen hindurch. Und dann war er wieder da: Der verdammte See.


Die Ente hatte es noch gut - wir als vermeintlich eisenharte Spartaner weniger. Es ging ein weiteres Mal in den See, diesmal länger, weiter, kälter als beim ersten Mal.
Unter den Baumstämmen hindurchtauchen war eine Überwindung, aber machbar. Aber diese Kälte.. Die machte mich fertig.


Nach den Baumstämmen ging es ca. 100m weiter watend durch den See, ich immer mehr schlotternd und mich schon im Krankenhaus nach akutem Herzstillstand sehend - ohne Anna und ihren Optimismus hätte ich diesen Teil sicher nicht so gut geschafft.
Wobei - gut ist da so eine Sache.
Am Ende der Seeetappe wartete eine ca. 3 Meter hohe Tauwand auf uns, die wir überwinden mussten. Ich schaffte es noch, mich aus dem Wasser zu hieven und hing dann wie ein trauriges Bündel Leid an der höchsten Stelle, hysterisch bibbernd und zu verängstigt und schein-traumatisiert, um mein Bein über die Barriere zu schwingen und wieder hinunterzuklettern. Dankenswerterweise bemerkte ein Mann meine Not und schwang sich heldenhaft zu mir empor, empfahl mir seinen Arm und geleitete mich in tarzanischer Manier zu Boden. AROOOOO!

Ähm, ja.
Danach war es bei mir erstmal vorbei. Ich war völlig unterkühlt und extrem demotiviert, sehnte mich nach Herrn Fuchs (der daheim geblieben war) und ToMio und meiner Kuscheldecke und ganz viel heißem Tee. Vor allem das mit dem heißen Tee.

Die nächsten Hindernisse meisterte ich wie in Trance, nur angetrieben von Anna, die mir Mut machte (und sang: "Ich hab ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner!", als wir uns unter dem Stacheldraht hindurch rollten).


Den Einlauf ins Olympiastadion erlebte ich fast flennend, die Kälte machte mir mehr zu schaffen als alles andere. Bei der nächsten Station bekam ich eine Wärmefolie, in die ich mich einkuschelte und die mich beim weiterrennen umwehte wie ein Superman-Umhang für Arme. Oder für Spartaner, wie man es nimmt.

Erst beim Sandsacktragen ließ ich die Wärmefolie wieder fallen und fühlte mich wieder etwas mehr wie die Spartanerin, die ich doch so gern sein wollte.


Die 5km waren zu diesem Zeitpunkt bereits geschafft, alles nachfolgende nannte Anna die Kür, da der Lauf auf 5km+ angesetzt war (Köln wird übrigens ein 12km+ Lauf - ich bin erfreut!).

Die nächsten Hindernisse wie neuerliche Schlammbäder schreckten mich daher nicht mehr sonderlich und als ich das Feuer auf der Ziellinie sah, nahm ich meine letzte Kraft zusammen und schwebte wieder elfengleich über die glühenden Kohlen.



Die Medaille wurde mir umgehängt und ich fühlte auf einmal die Kälte nicht mehr.
Verdammt, es war ein geiler Tag und ich bin so froh, dass ich dabei war - und ich verspreche dir, Anna, in Köln heule ich nicht!

Vielen Dank an dieser Stelle auch an den tollen Support vor Ort und die Jungs und Mädels vom Sportograf, die die tollen Bilder geschossen haben!


Übrigens: Heute, zwei Tage nach dem Lauf, spüre ich noch immer Arme, Schultern, Brust und Bauch (blöde Muskeln, blöder Kater). Dafür hat sich das Lauftraining gelohnt, denn die Beine haben den Run ohne Blessuren überstanden ;)

Und das Finisher-Shirt trage ich mit spartanischem Stolz:

Kommentare:

  1. Wahnsinn! Du bist meine Heldin!!! Ich hätte schon nach 100 Metern heulend aufgegeben und mich unter einer Decke verkrochen. Die Fotos sind richtig klasse, da fühle ich mich fast als wäre ich dabei gewesen.

    Ganz liebe Grüße
    Angie

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  2. yeaaaah! meine tiefste bewunderung!! kälte ist so ne mistkuh, da wär ich verreckt... oder wie die ente auf dem stamm hocken geblieben, bis mich jemand aus dem kalten loch rettet^^ das shirt ist sowas von spartiatisch cool :D hehe, das zwiebel aufm kopf lied sing ich auch gern in solchen situationen, findet dann nur irgendwie niemand außer mir lustig :P
    liebe grüße, sabine =)

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  3. Wow, ich wusste gar nicht, daß es so einen Lauf in München gab, sonst hätte ich euch vielleicht angefeuert!

    LG
    Martina

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  4. Meinen vollen Respekt, dass Du das durchgezogen hast! :) Wahnsinn!

    Ganz viele liebe Grüße,
    Johannna

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  5. whoop whoop! tolle leistung! man - hätte ich gewusst dass du teilnimmst wäre ich doch zum anfeuern gekommen! :-D

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  6. Cool - Spartan-Lauf - noch nie gehört ... ich bin fasziniert... da ich nicht so der Läufer bin (könnt ja noch werden...) wäre es wohl nur bedingt was für mich - aber der Spaß war es sicherlich Wert - da freut man sich ja gleich mit auf die warme Badewanne.... Toll gemacht !!! LG

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  7. Tolle Fotos, bin schwer beeindruckt. Gibt es da ne Altersgrenze?

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    1. Hi, danke dir :)
      Nein, es gibt keine Altersgrenze - wenn man fit ist bzw. einfach Lust auf eine Herausforderung hat, ist solch ein Lauf echt empfehlenswert :))

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