Dienstag, 27. Oktober 2015

{Sport} Spartan Race BEAST in Oberndorf/Tirol

In einem Anfall von Wahnsinn habe ich mich nach meinem zweiten Spartan Race in Köln/Wiehl dazu entschlossen, mich auch in den Alpen beim Spartan Race BEAST zu versuchen. Die Motivation war unter anderem, dass man - so man alle drei Rennen der Spartan-Race-Serie in einem Kalenderjahr beendet - eine große Medaille zusammensetzen kann: die Trifecta. Und nachdem ich bereits in München und eben Köln/Wiehl gezeigt hatte, dass ich mich durchbeißen kann will, machte ich mich im September auf den Weg nach Oberndorf in Tirol.

Ich startete den Lauf mit der Freundin, mit der ich schon München bestritten hatte. Da wir beide wenig Lust hatten, vor dem Race 5-6 Stunden Anreise zu haben, übernachteten wir sowohl vor als auch nach dem Race in einer kleinen Pension.
 

Wir schlugen uns also durch den Feierabendverkehr diverser Bundesländer, bevor wir nachts unser Ziel erreichten. Schlags kaputt fielen wir nur noch ins Bett und wurden am 12.09.2015, dem Wettkampftag, mit diesem herrlichen Anblick belohnt.

Verdammt - mir hätte da schon klar sein müssen, wie krass der Lauf wird!

Die Anreise zum Startplatz, der knapp 30 km von unserer Pension entfernt lag, verlief erwartungsgemäß reibungslos und auch ein Parkplatz war schnell gefunden. Die Zeit bis zum Start vertrieben wir uns mit Bananen mampfen (ich) und Dehnübungen machen (ebenfalls ich).
Um kurz nach 12 hievten wir uns schließlich mit klopfenden Herzen in den Startbereich, wohlwissend, dass es jetzt hart werden würde: Der Spartan Race BEAST ist mit mindestens 20 km und mindestens 25 Hindernissen ausgeschrieben. Nach meiner Erfahrung bei den beiden anderen Spartan-Läufen wusste ich aber, dass die ausgeschriebenen Kilometer stets übertroffen werden - die Frage war nur, um wieviel.

Als der Anheizer uns endlich starten ließ, rannten wir mit der ganzen Meute los - und ich war schon vor dem ersten Hindernis die letzte. Das war allerdings nicht weiter tragisch, wusste ich doch, dass ich dank meines Marathontrainings eine gute Grundlagenausdauer hatte und einige der Schnellstarter wieder einholen würde.
Wir dümpelten zunächst ein wenig vor uns hin, sprangen in ein quitschkaltes Schwimmbad (sehr cooles Hindernis), kletterten ein bisschen in den Bergen herum, liefen auf Waldwegen und überwanden ein Baugerüst. Doch auf den Wegen zwischen den Hindernissen merkte ich, dass ich nicht den ganzen Lauf mit meiner Freundin bestehen würde. Sie war eher im Kraftbereich angesiedelt, während ich mich im Ausdauersport übe. Das führte dazu, dass sie sehr schnell gehen musste, während ich noch joggen wollte. Schweren Herzens trennten wir uns daher an der ersten Verpflegungsstelle nach ca. 5km.

Nun war ich auf mich allein gestellt. Mein Schwachpunkt sind nach wie vor Hindernisse, für die man Kraft im Oberkörper braucht. Sehr gut dagegen kam ich mit den teils recht langen Strecken zwischen den Hindernissen klar.

Zunächst liefen wir ein bisschen am Fuße eines malerischen Berges entlang, bis wir dann durch einen Fluss wateten, um auf der anderen Seite zu einem Kanal zu gelangen. Diesen Kanal liefen wir leicht bergauf entlang, dieFüße immer im kalten Gebirgswasser, das durch den Kanal floss. Vorbei ging es an Wiesen und Weiden, immer höher, immer weiter, bis ich schließlich in einem Wald ankam. Im Wald ging es steil bergauf.

Mittlerweile hatte ich wieder Anschluss zu anderen Läufern gefunden, kraxelte also nicht mehr alleine herum, sondern lebte immerhin mit der Hoffnung, dass mich im Falle eines Absturzes jemand retten würde.
Es ging unter Stacheldraht durch - unter vieeeeel Stacheldraht - und dort traf ich zufällig einen Läufer, mit dem ich in Köln/Wiehl einen Großteil der Strecke bewältigt hatte. Wir liefen gemeinsam weiter, immer im Anstieg, immer nach oben.

Die Strecke führte eine Alm hoch und ich musste mich an der nächsten Verpflegungsstelle von dem befreundeten Läufer verabschieden, da ich den Berg schneller hochkraxelte. Ich dankte nicht nur einmal dafür, dass ich regelmäßig laufen gehe - die Distanz gehend zu bewältigen, konnte ich mir einfach nicht vorstellen.

Der schlimmste Abschnitt war sicherlich der, bei dem auf ca. 700 m Strecke rund 150 Höhenmeter kamen - und diesen bergigen Pass kämpften wir Spartaner uns mit einem Sandsack als Gewicht auf den Schultern hinauf. Und auch wieder hinunter. Auf dem Weg nach unten lernte ich S. kennen - wir Spartaner halten zusammen und eine so verquatschte Frau wie ich lernt auf jedem Lauf Gott und die Welt kennen.

Die Hälfte des Laufes hatten wir derweil hinter uns gebracht und fortan lief ich mit S. gemeinsam. Er lief mein Tempo und wir joggten gemeinsam die Strecken zwischen den Hindernissen. Mittlerweile war es spät geworden: von dem erklommenen Berg waren wir wieder herunter geklettert, hatten uns erneut durch den Wald geschlagen, weitere drei Sachen geschleppt (Baumstamm, Eisenkette, erneut ein Sandsack) und hatten ca. Kilometer 20 erreicht. Geschwitzt und fluchend schauten wir auf das Ziel, wohlwissend, dass es noch kilometerweit entfernt war.

Ich hatte vor dem Start auf 23 - 24 Kilometer Gesamtstrecke getippt - und wurde dennoch überrascht. Ca. bei Kilometer 22 ging es nämlich in ein altes Kieswerk. Mit allerlei neuen Hindernissen: Reifenziehen machte davon noch am meisten Spaß - weniger spaßig war es, einen großen Plastikeimer mit nassem (!) Schotter zu füllen und unter den Augen der Streckenposten einmal im Kreis um einen großen Platz zu schleppen.


Doch ich verlor meinen Mut nicht - schließlich bin ich ein Optimist und ich hatte genug Startgeld bezahlt, um dieses Martyrium auskosten zu dürfen ;)

Aus dem Kieswerk raus, ging es erneut unter Stacheldraht durch und endlich Richtung Ziel! Natürlich durften die unvermeidlichen Schlammgruben nicht fehlen und nachdem ich über den letzten Schlammberg gerobbt war, setzte ich zu meinem Sprung über das Feuer an!


Nach sagenhaften 5 Stunden und 58 Minuten Tortur war ich im Ziel - und das bei einer Strecke von 27 (!!!) km.

T-Shirts gab es dieses Mal nur unisex, sodass mir mein Shirt jetzt als Nachthemd dienen kann. Scheinbar haben die Veranstalter so wenige Frauen für die lange Distanz gelistet, dass sich eine frauentaugliche Größe S nicht gelohnt hat.
Die ergatterte Medaille dagegen passt jedem gleich gut und das dritte Medaillendtück schließlich komplettierte meine Trifecta:



Fazit: Der Spartan Race BEAST hat mir von allen drei Läufem am besten gefallen! Es macht einen Heidenspaß, der Zusammenhalt auf der Strecke war wieder goßartig und ich bin einfach rundum zufrieden mit dem Event.
Und scheinbar sind meine Muskeln lernfähig: bereits einen Tag nach dem Lauf konnte ich meine Arme wieder heben - das ging nach den letzten Läufen nicht so schnell ;)
 

Wie ist es mit euch? Mögt ihr Hindernisläufe auch oder könnt ihr damit gar nichts anfangen?



Kommentare:

  1. Hut ab, tolle Leistung!!! Ich mag keine Hindernisse. Mich stören schon geringfügig hochstehende Gehwegplatten beim Joggen :)

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  2. Wow, mega gut!!!
    Ich hab echt riesen Resepekt vor dieser Leistung...den beast würde ich wohl nie überleben :DD
    LG Jenny

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  3. Trifecta, nice ;)
    Ziel fürs nächste jahr dann! von allen hindernisläufen, die ich bis jetzt gemacht hab hatte ich am spartan race am meisten spaß (Sprint in Wiehl), weil die Hindernisse einen wenigstens auch mal fordern :)
    Aroo!

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